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Die Natur kennt keine Grenzen

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit

Franziska Junge, Leiterin der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Franziska Junge, Leiterin der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer in Tönning.                   © Alina Claußen_LKN.SH    

Mit Franziska Junge (48) steht seit Februar erstmals eine Frau an der Spitze der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer in Tönning. Über Aufgaben und Ziele sprach Jens Neumann mit der Diplom-Ingenieurin der Landespflege mit Masterabschluss in Umweltschutz.


Worin sehen Sie die Herausforderungen der Zukunft?

Mit 4.380 Quadratkilometern gehört unser Nationalpark zu den größten Schutzgebieten in Europa. Das Wattenmeer zählt zum Erbe der Menschheit. Unser Ziel ist es, dieses einzigartige Ökosystem für die nächsten Generationen zu erhalten. Dafür ist es wichtig, die Veränderungen durch globale Prozesse wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust zu verstehen und gleichzeitig steigende Nutzungsansprüche mit dem Naturschutz in Einklang zu bringen. Das Wattenmeer ist Lebens- und Wirtschaftsraum zugleich, etwa für die Fischerei und den Tourismus.


Ohne Partner geht das sicher nicht?

Richtig, als Nationalparkverwaltung müssen wir zukunftsorientiert aufgestellt sein, starke Kooperationen erhalten und ausbauen: mit Naturschutzverbänden, Forschungseinrichtungen, den Nationalpark-Kuratorien und nicht zuletzt mit den Schwester-Nationalparken in Hamburg und Niedersachsen. International ist die Zusammenarbeit mit Dänemark, den Niederlanden sowie Schutzgebieten entlang der Zugvogelrouten dabei unerlässlich. Denn die Natur kennt keine Grenzen.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf das sensible Ökosystem?

Der Klimawandel hat weltweit gravierende Folgen und macht natürlich auch vor dem empfindlichen Wattenmeer keinen Halt. Besonders der steigende Meeresspiegel ist herausfordernd. Gleichzeitig verändern höhere Wassertemperaturen die Lebensräume sowie die Tier- und Pflanzenwelt.


Wie macht sich das bemerkbar?

Steigt der Meeresspiegel, werden bisher trockenfallende Wattflächen dauerhaft überflutet. Dadurch gehen spezialisierte Lebensräume und angepasste Arten verloren, ebenso können Salzwiesen deutlich zurückgehen. Höhere Temperaturen verändern das Artenspektrum: Einige Arten passen sich an, andere wandern ein oder verschwinden. Dadurch ändern sich auch die Nahrungsverfügbarkeiten: Der Bruterfolg unserer Fluss- und Küstenseeschwalben hängt zum Beispiel entscheidend davon ab, ob junge Heringe zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Auch häufigere Extremwetterereignisse wie Sturmfluten, die Nester und Gelege überspülen, gefährden Brutvögel. Als Nationalparkverwaltung unterstützen wir daher Projekte zur Klimaanpassung, sammeln Daten für Schutzmaßnahmen und erforschen etwa die CO₂-Speicherfähigkeit von Salzwiesen. Diese binden Treibhausgase auf natürliche Art und Weise – und sind daher besonders wichtig und schützenswert.


Wie lassen sich Naturschutz und Tourismus miteinander vereinbaren?

Der Nationalpark ist ein wichtiger Tourismusmagnet. Und das soll auch so bleiben. Viele Menschen genießen hier Wind, Wellen, Watt und wilde Natur. Ob sportliche Aktivitäten oder Naturbeobachtungen – das Wattenmeer bietet vielfältige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Gleichzeitig müssen Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen geschützt bleiben. Dafür steht auch unser Nationalpark-Partnerprogramm – rund 200 regionale Betriebe mit Gästekontakt, die sich als Botschafter für unser Schutzgebiet sehen.

Warum sind Sie aus dem schönen Thüringen nach Schleswig-Holstein gekommen?

Ich bin schon als Kind gerne an der Küste gewesen. Nord- und Ostsee sind meine liebsten Ausflugsziele. Füße im Sand, Möwengeschrei – für mich ist das eine Art „Zuhause-Gefühl“. Daher habe ich auch nicht lange überlegt, als 2009 in Kiel eine Stelle ausgeschrieben war, die mit Wasser, Schiffen und der Natur Schleswig-Holsteins zu tun hatte.


Seit 2015 waren Sie im Umweltministerium im Referat Meeresschutz und Nationalpark tätig, zuletzt als Projektleiterin für den Aktionsplan Ostseeschutz 2030. Was hat Sie bewogen, die Leitung der Nationalparkverwaltung zu übernehmen?

Durch meine Arbeit hatte ich viele Berührungspunkte mit dem Wattenmeer und der Nationalparkverwaltung. Dabei ist mir bewusst geworden, welcher Schatz ein so großes, durch ein starkes Nationalparkgesetz geschütztes und gleichzeitig breit akzeptiertes Schutzgebiet ist. Nicht umsonst ist der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer 2009 als ein Teil des UNSECO-Weltnaturerbes ausgezeichnet worden. Dafür die Verantwortung zu übernehmen, ist eine sehr reizvolle Aufgabe – und das mit einem tollen, engagierten Team mit fundierter Expertise.


Können Sie uns Ihren schönsten Moment im Watt beschreiben?

Meeresgrund trifft Horizont – das ist der Slogan der Wattenmeer-Nationalparke und er beschreibt genau das einzigartige Gefühl von Weite und Unendlichkeit, das einen erfüllt, wenn man bei Niedrigwasser den Wattboden betritt. Ich gehe am allerliebsten barfuß ins Watt. Wenn man das Glück hat, an einem windstillen Abend zu einem farbenfrohen Sonnenuntergang im Watt zu sein und die Grenze zwischen Himmel und Erde verschwimmt – das ist atemberaubend schön.

 
 
 

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