Energie, Humor und Spaß auf der Bühne
„Back to School“ aus Marne rockt beim Elbeforum-Festival

In Dithmarschen aufgewachsen, auf den Bühnen in Norddeutschland zuhause: Wer die Marner Punkrock-Band „Back to School“ – Yannick Bolls (Gitarre), Jes Ibs (Schlagzeug), Johannes Küllmer (Bass), Niklas Petersen (Gesang, Gitarre) – live erleben möchte, hat in Brunsbüttel Gelegenheit dazu. Über einen vollen Konzertkalender und nächste Projekte sprach Jens Neumann mit den Musikern.
Moin Jes, nach kraftvollen Konzerten beim Radio Bob!-Rockcamp auf der Kieler Woche oder beim SH Netz Cup auf der NDR-Bühne in Rendsburg wollt ihr am 31. Oktober das Elbeforum rocken. Ist 2026 der erträumte Durchbruch?
Jes: Wir sind sehr zufrieden, auf welches Niveau wir die Band gebracht haben und welche Ziele wir erreichen konnten. Unsere Träume und Ansprüche an uns selbst wachsen jedoch dynamisch mit und sind uns immer einige Schritte voraus. Dadurch halten wir uns selbst auf Trab und ruhen uns nicht auf Erfolgen aus.
Rund 20 Konzerte allein in diesem Jahr: Was macht das mit euch?
Niklas: Bei mir vor allem Rücken!
Jes: Es ist nicht unser Gig-reichstes Jahr, da wir einige Anfragen ablehnen mussten. Dennoch ist es für uns etwas besonders, überhaupt auf diese Anzahl zu kommen. In den letzten zwei Jahren gab es bei uns zweimal Nachwuchs, vier Umzüge mit umfangreichen Kernrenovierungsarbeiten und zahlreiche private Nebenprojekte. Unser Konzertkalender zeigt uns, dass wir den Spagat zwischen Job, Privatem und Band trotz allem meistern konnten.
Musik ist ja nicht nur Spaß, sondern auch harte kreative Arbeit: Zahlen sich die unzähligen Stunden im Übungsraum aus?
Johannes: Absolut! Immer dann, wenn wir wieder auf der Bühne stehen und gemeinsam mit vielen tollen Menschen eine gute Zeit haben, werden wir daran erinnert, wofür wir das alles machen.
Bleibt neben der Musik eigentlich Zeit für einen „bodenständigen“ Job?
Jes: Was als lockeres Hobby begann, hat sich mittlerweile zu einem zweiten Vollzeitjob entwickelt. Besonders 2024 und 2025 waren arbeitsintensive Jahre. Hier haben wir uns in vielen Bereichen eine professionelle Grundlage aufgebaut: Programmierung zeitgesteuerter Lichttechnik, Aufbau eines Merchshops, neue Funksysteme, eigenes Konzertticketsystem und vieles mehr. Nicht selten führte das zu mehr als 40-Stundenwochen neben unseren regulären Jobs. Jetzt können wir uns wieder voll der Musik widmen und lassen dabei dem Kreativprozess die Zeit, die es braucht.
Ihr bezeichnet die Band gerne als „Geschenk an euch selbst“. Warum ist das so?
Jes: Damals haben sich alle eine Playstation gekauft oder sich schenken lassen. Wir hatten Lust, uns musikalisch auszutoben und 2009 die Band gegründet. Rückblickend wäre die Playstation günstiger gewesen.
Was hat euch inspiriert, die Musik-Clips auf YouTube einzustellen?
Niklas: Musik war für mich immer ein wichtiger Anker, früher allerdings eher unbewusst. Als Kind habe ich einfach die Musik mitgehört, die meine Mutter gehört hat, also Tracy Chapman, R.E.M., Simon & Garfunkel und viele mehr. Mir war damals nicht bewusst, welchen Stellenwert Musik für mich hatte. Ich habe eher gemerkt, dass irgendetwas gefehlt hat, wenn mal keine lief. Irgendwann liefen dann Songs wie „Basket Case“ von Green Day oder „What’s My Age Again?“ von blink-182 im Radio und das Genre hat mich sofort gecatcht. Als ich dann Live-Videos der Bands auf MTV gesehen habe, hat mich die Energie, der Humor und der Spaß, den die Jungs auf der Bühne hatten, mitgerissen und unglaublich fasziniert. Da war mir klar, dass ich das auch möchte.
Yannick: YouTube war einfach DIE kostenlose Plattform für Künstler. Spotify & Co. gab es damals noch nicht – und wir wollten unseren Freunden unsere Musik zeigen.
Der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen…
Yannick: Das stimmt. Direkt nachdem wir unser erstes Video hochgeladen hatten, kamen durchweg positive Kommentare von fremden Menschen. Damit hatten wir nicht gerechnet Das motivierte natürlich sehr, mehr Musik aufzunehmen und noch mehr Leute zu erreichen.
Welche Rolle spielt Social Media heute als Band für euch?
Yannick: Eine leider viel zu große. Social Media ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite kann man seine Musik verbreiten, bekommt unglaublich viel tolles Feedback, kann wie eine Art Tagebuch die schönsten Momente der Band teilen und ist mit Menschen auf der ganzen Welt verbunden. Zudem sind mehrere Tausend Menschen stets auf dem aktuellen Stand der Band. Das ist besonders bei anstehenden Konzerten sehr wichtig. Auf der anderen Seite kostet die Pflege unglaublich viel Zeit. Wenn der Schnitt an einem Konzert-Vlog ein ganzes freies Wochenende einnimmt und dann nur wenig Aufmerksamkeit bekommt, kann das schnell frustrierend sein.
Musik und Texte stammen aus eigener Feder: Worum geht es in den Songs?
Niklas: Viele Songs beschäftigen sich mit Dingen, die im Kopf stattfinden, also Selbstzweifel, Ängste, Beziehungen, Erinnerungen oder dem Gefühl, irgendwo festzustecken. Der Titelsong „Words Unspoken“ fasst das eigentlich ganz gut zusammen. Gleichzeitig gibt es aber diesen Gegenpol, die Vorfreude auf ein Konzert der Lieblingsband und Musik als Möglichkeit, für einen Moment daraus auszubrechen. Dieser Wechsel zwischen Zweifel und dem Versuch, trotzdem weiterzumachen, zieht sich durch viele Songs. Andere handeln von Beziehungen oder der Corona-Pandemie, in der der Großteil des Albums entstanden ist. „Fix This World“ und „How To Do It Better“ sind aus dem Gefühl entstanden, dass gesellschaftlich gerade ziemlich viel schiefläuft. „Another Party Song“ ist zum Spaß haben – für die Leute, die zu unseren Konzerten kommen und eine tolle Zeit mit uns haben wollen.
Die Einflüsse von Green Day oder blink-182 sind in eurem zweiten Album „Words Unspoken“ unverkennbar. Das Release ist nun aber auch schon über zwei Jahre her. Wie sieht es mit dem dritten Album aus?
Johannes: Mit dem zweiten Album haben wir eine ordentliche Schippe draufgelegt und uns stilistisch und qualitativ gewandelt. Aktuell unterhalten wir uns darüber, wie Back to School 3.0 klingen soll. Seit dem letzten Release haben wir uns wieder weiterentwickelt. Eins ist jedoch klar: Ein drittes Album wird es geben und da setzen wir nun den Fokus drauf.
Letzte Frage: Was erwartet uns im Jahr 2027?
Jes: Die Ruhe vor dem Sturm. Album Nummer 3 wird uns zeitlich viel abverlangen. Natürlich werden wir uns nicht ganz im Studio einschließen, sondern auch die eine oder andere Bühne betreten. Wir werden aber selektieren müssen, um im Folgejahr umso mehr liefern zu können.
LIVE in Brunsbüttel
< „Elbeforum Rockt!“: Festival-Neudebüt am Sonnabend, 31. Oktober, mit sechs Bands – Rising Insane, Elivra, Back to School (Stagetime 18.30 Uhr), Pay Pandora, Breaking Resistance und Ratoath. Einlass ist um 12.30 Uhr.
Der Vorverkauf läuft über das Elbeforum.








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